Ich bin 1985 im damals noch nicht ganz so schönen Leipzig geboren, aber schon mit knapp drei Jahren ging es für mich und meine Eltern nach Brandenburg, wo ich dann auch aufgewachsen bin. Erst im Havelland unter Birnenbäumen, später in der Prignitz, wo so wenig Menschen wohnen, dass es nach europäischen Massstäben als unbewohnt gilt. Gegen die Alleen gegurkt sind trotzdem zu viele. Meine Mutter ist gelernte Kinderkranken-schwester, konnte aber kein Blut sehen und hat diese berufliche Vision dann so schnell wie möglich verworfen und gegen eine musikalische - sie ist heute Flötenlehrerin

- eingetauscht. Mein Vater begann seine erste Stelle als evangelischer Pfarrer, die er engagiert und leidenschaftlich mit Leben füllte. Ich bekam eine kleine Schwester und drei Jahre später ein Brüderchen, für die ich bis heute über alle Maßen dankbar bin. Auf mein erstes Fahrrad musste ich bis zu meinem achten Geburtstag warten. Für mich natürlich empörend lange, aber erstens gab es eben dafür kein Geld und zweitens hatte ich ja noch den Roller, zwar ohne Trittbrett(!!), aber ich konnte mir den Rest irgendwie gut vorstellen. Meine berufsorientierten Höhepunkte als Kind waren die Gründung eines Umweltclubs mit insgesamt drei mehr oder weniger motivierten Mitgliedern, der aber bald aus Mangel an Moral und fehlenden Süßigkeiten in der sogennanten Umwelt-Zentrale eingestellt wurde. Auch als Detektiv verdingte ich mich kurzzeitig, aber alles, was ich fand, war eine glücklicherweise nicht mehr scharfe Handgranate in unserem riesigen Garten, die mein Vater mit überraschendem Pragmatismus in der Mülltonne entsorgte. In den Kindergarten durfte ich nicht,ich sollte mich dort nicht ideologisch versauen zulassen, wie meine Mutter stets betonte.  Es war kurz vor der Wende. Dafür hatte ich ja meinen eigenen Garten; es gab sprechende Kuscheltiere und Tausende von Büchern, gestapelt neben meinem Bett, sowie eine eigenwillige schwarze Katze, die lange mein bester Freund war. Als ich zehn war, starb mein Vater an einer verpfuschten Blinddarm-OP. Da war er 33 Jahre alt. So schmerzhaft der Verlust war, so überwältigend war die Unterstützung und Anteilnahme, die uns entgegengebracht wurde und die mich - knapp zehnjährig - stark beeindruckte und prägte. Bis heute. Wir mussten schliesslich aus dem schönen großen Pfarrhaus raus und in eine kleinere Wohnung direkt vor einem wunderschönen Maisfeld ziehen, das uns Kindern bald der schönste Spielplatz wurde. Meine Mutter lernte meinen heutigen Stiefvater kennen, der wiederum drei Kinder in die Ehe brachte und so wurde die Familie noch größer. Ich fand bald tolle Freunde und die Schule machte Spaß. Ich wollte Archäologin werden. Die Aussicht, wie Lara Croft durch die Welt zu reisen, begeisterte mich, ich fand dann aber bald heraus, dass solche Expeditionen eher selten sind und ich viel zu ungeduldig und ungenau für das penible Abstauben von vermeintlich historisch wichtigen Knochen sein würde. Mein Schülerpraktikum jedenfalls, machte ich dann in der kleinen Sparkasse um die Ecke, wo ich leider absolut nichts verstand. Nach erfolgreich ausgeführter Pubertät ging ich für ein Austausch-Halbjahr in die Staaten; die Strassen breit, die Horizonte meiner Gasteltern eng, dafür waren die Schule und meine sehr witzigen und herzlichen Mitschüler endgültig Auslöser für meinen Wunsch, Schauspielerin zu werden. Zurück in Deutschland, kam ich in eine neue Schule, hatte einen wunderbaren Theaterkurs-Leiter und von da an war die Sache geritzt. Am Landestheater Parchim stopfte ich nach dem Abitur im Rahmen eines kulturellen Jahres Socken der  Schauspieler (Sparmaßnahme) in der Kostümabteilung, schlief beim Hospitieren des Wintermärchens ständig ein und wurde dann für eine kleine Rolle auf die Bühne gestellt, wo ich dann endlich das tun konnte, wofür ich eigentlich gekommen war. Na endlich! Ich bewarb mich bei allen Schauspielschulen des Landes, kam fast um vor Lampenfieber, besuchte parallel für ein Semester Kulturwissenschaft die Viadrina in Frankfurt an der Oder und begann schliesslich mein Schauspielstudium mit neun anderen, aus ganz Deutschland kommenden, rebellischen, klugen und kreativen jungen Menschen in Hannover.

Und der Rest ist Geschichte, zusammengestampft auf ein A4 Blatt, PD-Format.

© 2018 Magdalena Steinlein | Photocredit: Nadja KlierImpressum und Datenschutz |  Newsletter anmelden
 

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